Vorsicht BIGBANK – hohe Zinsen nicht in Euro!

Seit einigen Monaten drängt die estnische BIGBANK mit verlockend hohen Zinsen in den deutschen und österreichischen Markt. Geworben wird mit maximal 4.7%, erreichbar sind auch bei nur kurzer Laufzeit und kleineren Beträgen immerhin 3,00 bis 3,40%. Die Zinsen liegen also durchwegs 100 Punkte über den höchsten in Österreich erhältlichen Sparzinsen.

Doch wo ist der Hacken dabei?
Vorsicht ist geboten! Denn Estland gehört nicht so wie Holland oder Liechtenstein zum EURO Raum. Darauf wird auf der Homepage der Bank nicht ausdrücklich hingewiesen. Auf meine Nachfrage hin sendete mir der Mitarbeiter nur einen Link zu den Kontaktdaten und meinte, es sei doch alles klar ersichtlich. Dass das eröffnete Konto NICHT in Euro geführt wird ist aber heutzutage vielen Mitteleuropäern nicht mehr bewußt, sind doch schon Länder wie die Slowakei oder Slowenien seit einiger Zeit der Eurozone beigetreten.


Was ist das Problem?

a) Es fallen Auslandsüberweisungsgebühren im Bereich von 20 bis 100 oder mehr Euro an (hin und zurück)
b) Es fallen Wechselgebühren an die nur schwer zu berechnen sind – auf jeden Fall zu ihrem Nachteil.
c) Sie können nicht mehr über Ihr Geld verfügen das Fix veranlagt wurde. Sie können den Vertrag nicht wie  bei heimischen Banken üblich vorzeitig lösen (gegen Zinsabschlag auf 0,25% üblicherweise). Das heißt ihr Geld ist für Jahre weg, ohne Zugriffsrechte.
d) Eine ungebremste Inflation in Estland könnte ihr Sparguthaben weiter mindern. Dazu besteht nicht unbedingt anlass, aber Estland durfte 2007  Euro nicht einführen da seine Inflationsrate zu hoch ist. Der Ministerpräsident möchte weiter an diesem Kurs festhalten um das Wirtschaftswachstum nicht zu senken. Sollte aber die Wirtschaft in Estland in ein paar Jahren nicht mehr boomen und die Inflation gleichzeitig weiter steigen, dann sinkt auch der Wechselkurs zum Euro hin stark ab. Das Währungsrisiko bleibt also hier voll erhalten! In absehbarer Zeit wird der Euro nicht eingeführt.

Fazit

Für 1% mehr Zinsen ist dieses Modell auf keinen Fall zu empfehlen wenn sie nur Beträge bis 20.000 oder 30.000 Euro anlegen. Die Gebühren fressen den Mehrertrag förmlich auf, und dazu besteht noch ein kleines Restrisiko. Die Webseite der Bank versucht seriös zu wirken, ist aber tatsächlich nur ein übergestülptes Kommunikationsportal ohne viel Inhalte. Denn die Veranlagung führt ein Mitarbeiter danach sozusagen händisch durch, den Geldbetrag müssen sie ‘händisch’ von ihrem Konto auf das Konto der BIGBANK in Estland überweisen.

ANMERKUNG / NACHTRAG
Auf dieser Seite hier werden einige Gegenteilige Behauptungen gemacht, und dieser Artikel strengstens angegriffen:
http://www.finanz-journal.at/bigbank-ist-hier-vorsicht-angebracht/
Interessanterweise widersprechen die Aussage des Blogges www.finanz-journal.at sogar den offiziellen Aussagen der BigBank Mitarbeiter! Wer wird also recht haben? Der Mitarbeiter oder ein Blogger?

Wenn man bei den Bigbank Mitarbeitern nachfrägt erfährt man, dass sehr wohl Auslandsspesen für die Überweisung anfallen, welche nicht berechnet werden können da sie von Bank zu Bank verschieden sind. Ich möchte hier auch ausddrücklich noch einmal darauf hinweisen, dass diese Spesen auch Anfallen wenn sie Geld z.B. nach Großbritannien überweisen (siehe http://lauwarm.net/index.php/2010/01/wie-hoch-sind-die-gebuhren-fur-eine-uberweisung-aus-england/). Die kostenlose EU Überweisung gilt nur innerhalb des Euroraumes!
Der Blogger auf finanz-journal.at spricht davon genau 5 Minuten zu recherchiert haben, wenn das vertrauenswürdig genug ist kann ich nur den Kopf schütteln. Ich habe sowohl ein Konto bei BIGBANK, als auch selbst schon Überweisungen mit IBAN und BIC in den NICHT-Euro-Raum durchgeführt. Fazit: Spesen fallen ganz sicher an!

Weiters: Der Wechselkurs EURO zur estnischen Krone wurde nur an den Euro gekoppelt, diese Koppelung wurde nur von der D-Mark übernommen, trotzdem gibt es noch Kursschwankunge

Siehe dazu diese Kurs-Charts:
http://de.exchange-rates.org/history/EEK/EUR/G/30
http://www.finanzen.net/devisen/euro-estnische_krone-kurs

(Wer sich den 5 Jahre-Verlauf ansieht, wird erkennen dass es durchaus öfters zu kurzzeitigen Aussetzern nach unten hin kommt)
Fakt bleibt – die Bank wird euch einen EINKAUFS und einen VERKAUSPREIS anbieten, und natürlich zu euren ungunsten. Genaueres hierzu: Estland ist 2004 dem Wechselkursmechanismus II der Eu beigetreten, das heißt nur, dass die Währung zum Euro nur maximal um ±15% Schwanken darf. Engere Schwankungsräume können festgelegt sein. Es heißt auf keinen Fall, dass hier schon ein fixer Umrechnungskurs existiert.

Weiters: Estland hat nach der gescheiterten Einführung des Euros im Jahr 2007 nicht vor den Euro in den nächsten Jahren einzuführen, schon gar nicht im Jahr 2011 wie von anderen Seiten behauptet. Siehe hierzu http://www.euro-anwaerter.de/anwaerter/estland.html

Fazit bleibt: Wer möchte kann es ja gerne ausprobieren. Estland ist in jedem Fall genauso einzuschätzen wie Island. Kleines Land – versucht sich am großen Finanzmarkt und holt Kapital aus dem Ausland – und muß sich nicht an die Euro-Kriterien halten. Zinsen von 4,7% in Zeiten in denen alle Banken im Euroraum kaum mehr als 2.5% geben sagen wohl alles.

Es bleibt noch einmal festzuhalten: Die Auskunft der BIGBANK Mitarbeiter selbst ist, dass Spesen anfallen, deren Höhe sie nicht voraussagen können. Wer sich diesen Spaß antut, bitte sehr.

Ich nehme an die Personen die hier Kommentare gepostet haben, haben schon ein Bigbank Konto und konnten sich davon überzeugen, dass alles kostenlos ist? Ich jedenfalls habe ein Konto eröffnet, und nach mehreren Nachfragen dann kein Geld überwiesen. Die einzeiligen Emails der Mitarbeiter welche als Antwort kamen konnten nämlich auch kaum überzeugen.

Nachtrag

Ich möchte mit diesem Artikel nur davor Warnen ohne Hintergedanken gleich jedem Lockangebot zu folgen. Meine persönlich schlechte Erfahrung mit BIGBANK beruht nur darauf, dass der Internetauftritt der Bank so gut wie möglich verschleiert, dass man sein Geld in einer anderen Währung anlegen muss, und somit Spesen für die Geldanlage anfallen (mindestens 2 mal). Auch in diesem Umfangreichen FAQ Teil http://www.bigbank.at/hilfe-und-info spart man genau diese Frage aus. Es ist typisch, dass alle negativen Teile ausgeblendet werden um dem Kunden ein rein positives Bild zu zeigen. In Geldgeschäften verlange ich als Kunde absolute Offenheit, ich verlange über alles von vornherein informiert zu werden, und nicht auf erst Nachfrage einen kurzen Hinweis zu bekommen, dass man schon recht hat und Gebühren anfallen, aber da diese nicht berechnet werden können will man nicht darüber sprechen.

Es mag nun jedem selbst überlassen bleiben was er darüber denkt. Wer sich erklären kann wie die hohen Zinsen zustandekommen während alle anderen Banken knausern, der soll glücklich werden in Estland. Machen sie sich aber auch ein Bild ob eine solche Seite mit diesen Werbeaussagen sehr seriös ist: http://bigbank.at/rueckmeldungen – ich kenne das nur von Pyramidenspielen und den “Ich verdiene 6000 Euro mit Heimarbeit” Werbungen. Eine Recherche von 1-2 Stunden bringt meist doch mehr als 5 Minuten zu googeln und wikipedia zu zitieren.

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Autor: Elwood
Datum: Montag, 19. April 2010 15:15
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9 Kommentare

  1. 1

    also ich vermute, dass du nicht richtig recherchiert hast, oder hast du ein persönliches problem mit der bigbank (liest sich so).

    zu a) Die EU-Überweisung gilt im gesamten Wirtschaftsraum. Hast IBAN + BIC, so Kosten wie Inlandsüberweisung (guckste hier: http://de.wikipedia.org/wiki/EU-%C3%9Cberweisung)

    b) Wechselgebühren? äh für was? Du schicken Euro –> Euro wird umgerechnet in estnische Krone –> Wechselkurs ist fix (Estland sollte mit Ende des Jahres in die EURO-Zone kommen). Also wo ist hier das Risiko?

    c) da dürftest recht haben, wobei die Bank sagt “Gemäss der Vertragsbedingungen kann der Festgeldvertrag nicht vorzeitig beendet werden. Sie haben trotzdem die Möglichkeit einen Antrag zu schreiben,aber die Bank hat das Recht, nicht die Verpflichtung, damit einverstanden zu sein” –> d.h. sie kann, wenn sie will. Wirds wohl auch tun, wenn sie kann. Im Unterschied zu österreichischen Banken liegt der Unterschied wohl darin, dass die immer sagen, dass sie können, und dann aber nicht mehr zahlen, weils nicht mehr können ;)

    d) wieder so ein Blödsinn wie bei b) –> Wechselkurs ist bereits fix!

    Was mich jetzt persönlich interessieren würde – wie kommt man auf soviele falsche Dinge? Ich habe mir das jetzt selbst auf die schnelle nachgelesen und habs ziemlich schnell alles gefunden und leider immer das Gegenteil von dem was du geschrieben hast?!? Absicht, oder Hoppala?

  2. 2

    [...] durch die WWW-Suche des Internets. Die Recherche dauerte ca. 5 Minuten – keine Ahnung, wie lange Lauwarm.net benötigte (für die doch großteils falschen Behauptungen). a) Es fallen [...]

  3. 3

    zu a) Die EU-Überweisung gilt im gesamten Wirtschaftsraum. Hast IBAN + BIC, so Kosten wie Inlandsüberweisung (guckste hier: http://de.wikipedia.org/wiki/EU-%C3%9Cberweisung)

    Ich empfehle dir eine Überweisung nach England auf ein Pfund-Konto vorzunehmen, und danach den gleichen Betrag wieder zurück zu überweisen. Bitte die beiden Beträge dann hier posten.

    b) Wechselgebühren? äh für was? Du schicken Euro –> Euro wird umgerechnet in estnische Krone –> Wechselkurs ist fix (Estland sollte mit Ende des Jahres in die EURO-Zone kommen).

    Ich weiß nicht wie alt sie sind, aber alle europäischen Währungen hatten auch schon im Jahre 2000 oder 2001 schon lange fixe Umrechnungskurse mit dem Euro. Wenn sie aber zur Bank gingen und
    D-Mark in Schillinge umgewechselt haben, ist sehr wohl eine Wechselgebühr angefallen. Die Gebühr hängt ja nicht unbedingt vom Kurs selbst ab, sie kann von Ihrer Bank pauschal erhoben werden für
    die Umrechnung des Betrages.

    Estland hat eine Inflation von 7% und durfte deshalb nicht dem Euroraum beitreten.

  4. 4

    [...] doch einfach mal selbst aus, wie das mit der BigBank funktioniert, nachdem ich doch in meinem damaligen Blogbeitrag den Beitrag von Lauwarm.net doch inhaltlich zerrissen [...]

  5. 5

    Hi!
    Also ich habe auch ein Konto bei der Bigbank aufgemacht und kann dir leider nicht ganz zustimmen. Keine Überweisungsgebühren und es wird in Euro überwiesen und in Euro veranlagt. Die Zinsen werden auch auf den Eurobetrag hochgerechnet und man bekommt Euro retour. Kann schon sein das die Bank intern mit der Landeswährung arbeitet, aber davon spürt man nichts. Ist so wie wenn ich bei der Denizbank (türkische Bank) etwas anlege, das läuft auch in Euro und nicht über die Lira. Oder Bawag, läuft auch nicht in US Dollar, sondern eben Euro. Naja, meine Erfahrung…….

  6. 6

    Vielen Dank für die Infos.

    Mir hat es die Augen geöffnet, dass hohe Zinsen auch einen Preis haben, hier das mögliche Währungsrisiko.

  7. 7

    Lieber Gerhard – Lese bitte hierzu das
    http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=10527;gartnr=90;bernr=21

    Bigbank hat ein Rating von E – ähnlich gut wie isländische Banken. Gratuliere.

  8. 8

    Sehr spannende Behauptungen. :) Die Wahrheit ist etwas anders, aber jeder kann ja seine eigene Meinung haben.

  9. 9

    Ich habe auch dort ein Konto eröffnet und wurde dann misstrauisch ob mein Geld in Euro oder nicht geführt wird.

    Ich habe auch von der BigBank trotz mehrmaliger Nachfrage keine klare Aussage erhalten und mich deshalb genauso wie der Schreiber dieses Artikels entschieden dort kein Geld hin zu transferieren.

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Kennt kein Gegenteil